PORTUGAL UND DIE PASSAGE ZU DEN KANAREN
02/12/2021
ATLANTIKÜBERQUERUNG TEIL 1: KANAREN – KAPVERDEN
27/03/2022
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EIN WINTER AUF DEN KANAREN

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das ist NICHT Bea und ich nach einer Verjüngungskur. Vor zwei Wochen besuchten uns meine (Andy’s) zwei Jungs mit ihren Freundinnen. Da musste etwas Action her, so buchten wir Jet-Skis und drehten eine Runde an der Südostecke Teneriffas. Auf dem Bild ist Beni mit Tanja zu sehen kurz vor dem Lift-Off. Aber schön der Reihe nach:

Die vergangenen 3 Monate verbrachten wir abgesehen von einem Abstecher in der Schweiz auf den kanarischen Inseln. Lanzarote, Gran Canaria und Teneriffa waren tolle Orte zum überwintern. Wir hatten tagsüber immer Temperaturen um die 20° und nachts zwischen 14-18°, viel Sonne, selten Regen. So hält man auf einem Boot den Winter aus. Wir haben in den letzten Monaten nicht so viele Seemeilen zurückgelegt wie auch schon, dafür uns Zeit genommen um diese tollen Inseln zu erkunden.

Lanzarote

Das ganze Archipel der Kanarischen Inseln ist vulkanischen Ursprungs. Vor kurzem machte ja der Vulkanausbruch auf La Palma Schlagzeilen. Auf Lanzarote war dieses Ereignis erdgeschichtlich gesehen auch erst «vor kurzem», nämlich vor 250 Jahren. Die Landschaft auf Lanzarote ist daher geprägt von vielen Vulkankegeln und riesigen Lavafeldern.

im Panorama-Restaurant im Timanfaya-Nationalpark mit der Portugal-Lanzarote-Crew

Insgesamt waren wir zwischen Mitte November und anfangs Dezember 3 Wochen auf dieser kargen und doch schönen Insel. Nebst der Sorge um des Parasail und anderen Reparaturen hatten wir Zeit für Erkundungstouren. Wir fuhren mit Rollern zu Aussichtspunkten, wanderten zu Vulkankegeln, besuchten die grüne Lagune, bestaunten die Werke des Architekten und Künstlers César Manrique, schlenderten entlang der Touri-Hotspot-Promenaden und assen im Nationalpark Timanfaya das über heisser Lava gegrillte Hühnchen. Das volle Programm sozusagen. Das arme Hühnchen schmeckte wie wenn es schon ziemlich lange über der heissen Lava gebraten worden wäre… aber was soll’s.

immer heisser Lava-Grill

In Arrecife auf Lanzarote besuchten wir auch Richard & Fadwa von Atlantic Sailing. Bei dieser Segelschule habe ich von einigen Jahren die englische Hochseelizenz (Yachtmaster Offshore) gemacht und seither sind wir in Kontakt. Immer wieder schön, Freunde wiederzusehen!


Gran Canaria

Die EXTRA MILE im Anflug auf Las Palmas. Es ist immer wieder faszinierend einen grossen Hafen bei Nacht anzusteuern.

Gut hatten wir reserviert! Der Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria ist einerseits Sprungbrett für Yachten, die über den Atlantik segeln, und dank der sehr tiefen Liegegebühren gleichzeitig auch Wohnort vieler Boaties. Als wir ankamen war der Hafen rappelvoll und im Marina-Office wurden die Leute auf recht unfreundliche Weise abgewimmelt, resp. auf einer langen, langen Warteliste eingetragen. Wir hatten unseren Platz auf sicher.

Es gibt im Industriehafen von Las Palmas vor einem Strand ein Ankerfeld, da können Yachten einigermassen geschützt ankern. Aber die ständigen Schiffsbewegungen im Hafen verursachen Schwell, so ist es hier nie wirklich ruhig und bei Südwind steht die Welle voll rein, dann wird’s ungemütlich.

Playa de las Alcaravaneras mit Ankerfeld, Marina im Hintergrund

Die Atmosphäre auf dem Steg in der Marina hat uns gefallen. Hier schraubt jeder an seinem Schiff rum und bereitet sich für das nächste Abenteuer vor. In dieser internationalen Gemeinschaft kommt auf engstem Raum eine Fülle von Lebensträumen und Lebensentwürfen zusammen.

Da war das Paar aus der Schweiz, das vor zwei Jahren schon von hier aus in die Karibik aufbrechen wollte. Aber zuerst musste ein Motorschaden behoben werden und bevor sie aufbrechen konnten, kam Corona mit striktem Lockdown und dann mussten sie noch auf Ersatzteile warten. Im Januar 2022 sind sie endlich aufgebrochen. Sie haben uns kürzlich geschrieben, sie seien gut via Kapverden in der Karibik angekommen.

Da war das schwedische Paar direkt neben uns. Sie hatte in Schweden ein Segelboot gekauft und sind im letzten Jahr damit zu den Kanaren gesegelt. Sie wollen im Frühling/Sommer dieses Jahres wieder zurück nach Schweden. Für sie geht’s nach einem 1-Jahres-Sabbatical wieder in den Berufsalltag, allerdings wollen sie in Schweden in Zukunft auf ihrem Segelboot leben.

Da war schräg gegenüber das ältere deutsche Paar, das demnächst nach Gambia segeln will. Sie warteten noch auf den Water Maker (Entsalzungsanlage), der dann geliefert wurde und den sie freudig einbauten.

Ein anderes Paar aus Deutschland hatte ein gebrauchtes Segelboot auf Gran Canaria gekauft. Sie planen 1 Jahr auf den Kanaren zu bleiben um das Archipel zu bereisen und mit dem Schiff vertraut zu werden, bevor sie dann im Herbst über den Atlantik aufbrechen möchten.

Auch bei uns standen diverse Arbeiten an. Die Stahlseile, welche den Mast halten, wurden vom Fachmann auf die richtige Spannung eingestellt, einige Stellen der Genua mussten vom Segelmacher genäht werden, am Motor wurde eine neue Lichtmaschine installiert und diverse Ersatzteile eingekauft. Auch habe ich mich schon mal mit Seekarten und Gastlandflaggen für die Karibik eingedeckt. Die Läden in der Marina in Las Palmas sind für solchen Bedarf gut ausgerüstet. Zudem kamen mit einem Paket aus Deutschland 5 Diesel-Reservekanister, mit denen wir zusätzlich zum festinstallierten Dieseltank die Reichweite der EXTRA MILE bei Flaute auf neu 1000km erhöht haben. Das reicht nicht über den Atlantik, aber lässt uns bei Flaute oder drohendem Unwetter rechtzeitig verduften. Im Päckli aus Deutschland war auch Bea’s Weihnachtsgeschenk: Ein Stand-up Paddle Board, auf dem sie in der Karibik mit den Riffhaien um die Wette paddeln will (Bilder folgen). By the way, mein Weihnachtsgeschenk war ein Genua-Baum = 6m langes 10cm dickes Alurohr mit entsprechenden Beschlägen, mit Hilfe dessen man die Genua ausbaumen kann. Wer nicht draus kommt, kann hier nachlesen.

Bin noch nicht sicher, ob ich die Kanister hier lasse.?. Aber für den Moment sind sie mal versorgt und festgezurrt.

Für Exkursionen, einen Arztbesuch und Einkäufe im Baucenter mieteten wir von einem hier wohnhaften Deutschen ein Auto, wenn man das so nennen darf. Der Kerl besitzt 5 solcher Karren, alle in etwa der gleichen Qualität. Jede ist auf einen anderen spanischen Strohmann in Las Palmas eingelöst, und alle stehen direkt in der Marina. Die Schlüsselübergabe erfolgt um 10 Uhr in der «Sailor’s Bay Bar» und am Ende des Tages tut man 20 Euro in die Fahrertüre und lässt den Schlüssel stecken. Ein einfaches Geschäftsmodell – solange kein Unfall passiert und niemand Fragen stellt…

einem fast geschenkten Gaul schaut man nicht unter die Motorhaube

Ende Januar, kurz vor dem Start des ersten Ausbildungstörns im neuen Jahr, wurde das reparierte Parasail vom Segelmacher aus Lanzarote nach Gran Canaria geliefert. Was für ein Freudentag! Hat zwar etwas gedauert (und gekostet), aber dafür haben wir unser Leichtwindsegel wieder. Funktioniert und sieht aus wie neu.


Teneriffa und La Gomera

Im Februar kamen meine Jungs Mischa und Beni mit den Freundinnen für eine Ferienwoche zu uns aufs Schiff. Wir segelten von Las Palmas in den Süden von Gran Canaria nach Mogan, dann rüber nach Teneriffa und machten einen Abstecher nach San Sebastian auf La Gomera. War eine erlebnisreiche Woche, wie man sich vorstellen kann. Nebst dem Segeln bei teilweise viel Wind buchten wir auf Teneriffa eine wilde Jet-Ski-Tour. Das Beobachten von Meeresschildkröten, Delfinen und Grindwalen, eine Wanderung im Gebiet des Teide, gemütliche Spielabende auf dem Schiff, feines Essen im Restaurant und Drinks und Shisha in der Bar rundeten das Programm ab. Das Bewusstsein, dass wir uns jetzt lange nicht mehr sehen werden, machte uns den Abschied schwer…

Kurz danach hatten wir nochmals Besuch, diesmal von Freunden in unserem Alter. Sie waren zum ersten Mal auf einem Segelschiff und lernten das Leben auf dem Meer kennen. Zwei wunderschöne Wochen in Bildern zusammengefasst:


Aufenthalt in der Schweiz

Bea berichtet: Gerne möchte ich etwas schreiben über unsere Zeit während der Weihnachtszeit in der Schweiz. Kurz vor Weihnachten flogen wir in die kühle Schweiz und wurden von unseren Gastgebern in Uzwil herzlich empfangen. Es war eine sehr schöne Zeit mit Josua und Daniela. Wie auch vor einem Jahr hatten Andy und ich viele Besuche und wichtige Termine frühzeitig vereinbart, so hatten wir ein recht volles Programm und waren viel weg. Umso mehr genossen wir als «Alters-WG» die gemeinsamen Zeiten mit einkaufen, kochen, essen, plaudern, Wein trinken, jassen, TV schauen etc.

Wie vermutlich in vielen Familien war die Planung der Weihnachtsfeier wegen Corona ein ständiges hin und her. Nachdem dann endlich klar war, wie viele Leute sich an Weihnachten treffen dürfen und wir alles aufgegleist hatten, war plötzlich wieder jemand positiv und von eingeladenen 15 Personen waren nur noch 7 anwesend. Andere Male mussten sich alle testen lassen oder langersehnte Besuche fanden erst nach überstandener Quarantäne statt.

die Grosseltern lernen von den Enkelkindern «Frantic» zu spielen

Anfangs Januar war Andy eine Woche lang weg um den Onlinekurs von hochamwind zu überarbeiten. Freunde, die letztes Jahr mit uns von A Coruna nach Vigo gesegelt sind, hatten uns ihre Ferienwohnung in Wildhaus zur Verfügung gestellt. Andy kann am besten arbeiten, wenn er ungestört ganz nach seinem Rhythmus leben kann. Ich besuchte ihn einmal in seiner selbstgewählten Isolation und machte mit einer Freundin einen Winterspaziergang. Die Winterlandschaft war schon ein krasser aber wunderschöner Kulissenwechsel zu Gran Canaria.

Wildhaus – beautiful Switzerland

Für mich waren die viele Begegnungen mit lieben Menschen ein wahrer Genuss. Wir starteten den Besuchsmarathon mit unseren Söhnen im Säntispark mit einem tollen Bowlingabend. Es folgten Besuche bei Andy’s Eltern, ehemaligen Arbeitskolleginnen, Freundinnen und Bekannten. Auch einige Segelkollegen konnten wir treffen. Diese Freundschaften haben für mich einen unschätzbaren Wert. Wie sehr ich doch die vielen tollen Menschen vermisst habe. In diesen Wochen wurde mir das so richtig bewusst.

mit Kathrin in Zürich

selber Pizza machen bei Janis & Tanja

Timon und Janis


Die ganz grosse Reise beginnt

Nun, jetzt geht es dann los. Wir kämpfen noch mit einigen technischen Herausforderungen. So ist uns auf der letzten Fahrt von La Gomera nach Teneriffa die gesamte Steuerelektronik ausgefallen. Vermutlich ein defektes Kabel, das dringend ersetzt werden muss. Wir sind jetzt eine Woche in der Marina Amarilla San Miguel im Süden Teneriffas und verpassen dem Boot den letzten Schliff für die Atlantiküberquerung. Ab Samstag 12. März warten wir das richtige Wetterfenster ab um zu den Kapverden aufzubrechen. Diese Strecke beträgt rund 6 Tage und wir werden auf diesem Schlag zwei Seglerinnen dabei haben.

In Mindelo auf Sao Vincente/Kapverden ist ein kurzer Zwischenstopp eingeplant und anschliessend segeln wir in 15 Tagen nach Barbados. Diese längere Strecke machen Bea und ich alleine. So der Plan. Wir melden uns dann wieder, wenn wir drüben sind.

für die Atlantiküberquerung wählen wir die Südroute mit Zwischenstopp auf Kapverden

By the way: Wir haben einen Satelliten-Sender dabei, der unsere Position trackt und alle 10 Minuten ins Internet stellt. Wer unsere Überfahrt live mitverfolgen möchte, kann sich bei uns per Email melden. Wir schicken dir dann den entsprechenden Link.