DAS SATTE GR├ťN VON TOBAGO
19/10/2022
VON DEN KLEINEN ZU DEN GROSSEN ANTILLEN
03/02/2023
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ZWEI MAL NACH CARRIACOU

Habe meine Frau auf der kleinstm├Âglichen Insel ausgesetzt. Immer hin hat es einen Sonnenschirm.. ­čśë
Nur keine Sorge, Bea und ich vertragen uns wieder ganz gut.

Carriacou ist eine Reise wert

Am Ende des letzten Blogs waren wir in Carriacou angekommen. Von den vielen Inseln, die wir bisher bereist haben, hat uns diese besonders gut gefallen. Carriacou ist Karibik von der sch├Ânsten Seite: Glasklares Wasser und ein Traumstrand am anderen. Nebst baden, schnorcheln und gut essen unternahmen wir auch zwei tolle Wanderungen zu sch├Ânen Aussichtspunkten. Im Paradise Beach Club verewigten wir uns mit einem gemalten EXTRA MILE -T├Ąfelchen. Ihr d├╝rft es gerne unter den vielen anderen Bootst├Ąfelchen suchen, wenn ihr dort mal vorbei kommt.


Die EXTRA MILE Crew wird interviewt im Boatcast

Wir bogen an der Nordwest-Ecke von Carriacou in eine kleine Bucht ein, die Anse la Roche, und entdeckten im Ankerfeld die MABUL, ein Schiff unter Schweizer Flagge. Wir sahen, dass sie das Grosssegel gehisst hatten, vermutlich w├╝rden sie gleich ablegen. Also fuhren wir nahe an ihnen vorbei um kurz Hallo r├╝ber zu rufen. Danach drehten wir eine Runde, bereiteten unseren Anker vor und w├╝rden dann ihren Platz ├╝bernehmen. Doch statt den Anker zu lichten und loszusegeln, kam auf der MABUL nach kurzer Zeit das Grosssegel wieder herunter. Sah nicht danach aus, als w├╝rden sie demn├Ąchst ihren Platz verlassen. Also ankerten wir etwas weiter hinten und fuhren nachher mit dem Dinghy zu ihnen r├╝ber. Tats├Ąchlich wollte ihr Motor nicht starten und sie entschieden sich in der Bucht zu bleiben, bis das Problem gel├Âst w├Ąre. So lernten wir Karin und Alex kennen. Karin war lange Jahre Asien-Korrespondentin bei SRF und fragte uns bald einmal an, ob sie uns ├╝ber unsere Reise f├╝r ihren pers├Ânlichen Podcast interviewen k├Ânne. So entstand der folgende Beitrag, den ihr euch gerne hier anh├Âren k├Ânnt. (Klicke in der Liste auf den Beitrag “E14 Ein Orkaangriff und zehn Seeigel“)

Anse la Roche, Carriacou. EXTRA MILE 2. Boot von links. MABUL 2. Boot von rechts.

Die Antillen hoch und runter

Nach Carriacou segelten wir z├╝gig nach Martinique. November war f├╝r uns ein Arbeitsmonat. F├╝r diesen Monat waren zwei Ausbildungst├Ârns aufgegleist. 2 x 10 Tage T├Ârn + 2 x 3 Tage Vorbereitung = 1 Monat Arbeit. Da wir im Sommer w├Ąhrend der Hurrikan-Saison keine T├Ârns durchf├╝hren konnten, hatten wir daf├╝r im November gleich zwei T├Ârns ausgeschrieben. Beide waren ausgebucht, starteten ab Martinique und wurden dort auch beendet. Martinique ist f├╝r uns sozusagen die Home-Base hier auf den Antillen. Die Insel ist flugtechnisch via Paris von Europa aus gut erreichbar und zudem bekommt man hier alles, was man braucht. Und ich meine nicht nur die Baguettes, den wunderbaren franz├Âsischen K├Ąse und die herrlichen Weine, sondern auch Ersatzteile f├╝rs Schiff und jegliche Art von Reparatur und technischem Support. Ein guter Start- und Zielort f├╝r T├Ârns.

Bei der T├Ârnplanung richten wir uns haupts├Ąchlich nach dem Wind. Hier auf den Kleinen Antillen gibts eigentlich das ganze Jahr ├╝ber Ostwind, der mal ├╝ber Ost-S├╝d-Ost auf S├╝d-Ost kippen kann. Umgekehrt sind auch Variationen von Ost-Nord-Ost oder gar Nord-Ost m├Âglich. Wie auch immer, Ost ist immer dabei. (Alles klar? Oder soll ichÔÇÖs f├╝r dich aufzeichnen?)

Philipp navigiert uns durch eine untiefe Passage

Als die erste Crew ankam, hatten wir etwas S├╝d im Ostwind und wir segelten in den Norden nach Guadeloupe und anschliessend wieder zur├╝ck nach Martinique. Ein paar Tage sp├Ąter stand schon die n├Ąchste Crew am Steg. Diesmal war der Ostwind leicht auf Nord gekippt und so gabs einen langen Schlag nach S├╝den nach Carriacou. Ja, Carriacou wollten wir den G├Ąsten nicht vorenthalten. So konnten wir all die sch├Ânen Orte auf dieser Insel wieder besuchen, die wir schon kannten. Von dort aus ging’s dann ├╝ber Tobago-Keys und die Grenadinen wieder zur├╝ck nach Martinique.

Michel, Claudia und Gina auf einer windigen ├ťberfahrt

Vom Backpacker zum Bootsbesitzer

Bea schreibt: In der Werft in Trinidad lernten wir Lena & Adrian aus S├╝ddeutschland kennen. Sie kamen als Rucksacktouristen nach Trinidad und wollten nach dem Prinzip ┬źHand gegen Koje┬╗ auf Segelbooten durch die Karibik reisen. D.h. sie erledigen Arbeiten an Bord und k├Ânnen gratis mitsegeln. Es sind zwei tolle, junge Leute und wir hatten mit ihnen in Trinidad abgemacht, dass sie mit uns von St. Lucia nach Martinique mitsegeln k├Ânnen und daf├╝r eine gr├Âssere Klebarbeit in den zwei Heckkabinen erledigen. Dies klappte dann nicht, da ihre Reise anders verlief. Aber wir trafen uns wieder auf Martinique und sie boten uns ihre Hilfe gegen ein ausw├Ąrts Abendessen an. Wie cool, das nahmen wir gerne an. So wurden die G├Ąstekabinen verbessert und gleichzeitig unsere Freundschaft bei einem feinen Znacht gefestigt. Sp├Ąter luden wir sie zu einem Schweizer Fondue (mitgebracht von einer unserer Crew) bei uns an Bord ein. Nachdem wir den Unterschied zwischen Raclette und Fondue gekl├Ąrt hatten, brachten sie noch einen selbstgemachten Laugenkranz mit und es konnte losgehen. Mit feinem Weisswein, Brot, Birnen und zu guter Letzt einem guten Schluck vom besten karibischen Rum wurde es ein rundum toller Abend.

Fondueplausch auf der EXTRA MILE mit Adrian & Lena

Dann kam die grosse ├ťberraschung: Sie entschlossen sich kurzerhand selber ein gebrauchtes Segelschiff zu kaufen und fragten Andy an, ob er sich mal das gefundene Occasions-Boot auf Martinique ansehen w├╝rde. Das machte er gerne. Unterdessen segeln Lena & Adrian auf eigenem Kiel Richtung S├╝den und wir hoffen sie wieder zu sehen, wer weiss, sp├Ątestens dann wieder auf dem Festland mal bei ihnen im Schwarzwald.

Und wenn wir schon beim Thema sind…

Vom Bootsbesitzer zum Bootsverk├Ąufer

… wir haben die EXTRA MILE verkauft. Ja, du hast richtig gelesen: Wir haben unser Schiff verkauft. Noch segeln wir zwar mit ihr in der Karibik herum und leben auf dem Boot, aber der Vertrag ist unterzeichnet und die Dinge nehmen ihren Lauf. Unsere Reise neigt sich dem Ende entgegen.

Cockpit mit zwei Steuerst├Ąnden, kompletter Navigation, vorne 4 Winchen f├╝r die Bedienung der Segel

Es braucht in der Regel Zeit um ein Boot zu verkaufen. So haben wir unsere Segeljacht im Oktober zum Verkauf ausgeschrieben, mit der Idee, das Schiff dem neuen Eigner im Mai 2023 auf den Bahamas zu ├╝bergeben. Von dort k├Ânnte man es in die USA ├╝berf├╝hren, oder zur├╝ck zu den Antillen segeln oder aber ├╝ber den Atlantik nach Europa schippern. Der Mai ist die beste Zeit f├╝r eine Atlantik├╝berquerung von West nach Ost. So unsere ├ťberlegungen. Relativ schnell meldete sich ein ernsthafter Interessent und zwar einer, den wir bereits kannten. Er war schon auf zwei T├Ârns mit uns auf der EXTRA MILE mitgesegelt, kennt das Schiff und seine Vorz├╝ge und hat rasch eine klare Ansage gemacht. Nachdem rechtliche Fragen wegen der europ├Ąischen Mehrwertsteuer gekl├Ąrt waren, haben wir den Vertrag aufgesetzt und unterschrieben. Den anderen Interessenten habe ich eine Absage geschickt und das Inserat wieder vom Netz genommen.

Als n├Ąchster Schritt steht nun in 2 Wochen das Gutachten an. Ein Bootsprofi aus Martinique wird das Boot inspizieren und zu Handen des K├Ąufers einen ausf├╝hrlichen Bericht erstellen. Das Schiff wird f├╝r ein paar Stunden sogar ausgekrant, damit auch das Unterwasserschiff begutachtet werden kann. Wir erwarten keine ├ťberraschungen, sind aber trotzdem gespannt.

Salon, Lebensraum, K├╝che, B├╝ro, Materiallager und Kino in einem

Der rasche Verkauf gibt uns Planungssicherheit. Wir k├Ânnen nun f├╝r Mai 2023 die R├╝ckreise in die Schweiz und den Wiedereinstieg im Heimatland konkret angehen. Das ist super. Umgekehrt hat mit dem Schiffsverkauf ein Losl├Âseprozess begonnen – meines Erachtens viel zu fr├╝h – der nicht ganz einfach ist.

Die EXTRA MILE ist f├╝r uns weit mehr als ein Schiff. Es ist ein Zuhause. Die EXTRA MILE kam zu verschiedenen Ecken der Erde mit und bot uns stets eine zuverl├Ąssige Plattform zu einem Leben in grosser Freiheit. Sie war eine anspruchsvolle Lady, wollte gehegt und gepflegt werden, belohnte uns wiederum mit wundersch├Ânen Momenten und unz├Ąhligen Abenteuern. Die EXTRA MILE steht f├╝r einen pr├Ągenden Lebensabschnitt, f├╝r unser Segel-Timeout, und auch wenn das etwas abgedroschen klingt, f├╝r die besten Jahre meines bisherigen Lebens.

Bea zieht es nach 2 1/2 Jahren langsam aber sicher wieder in die Schweiz zur├╝ck. Sie vermisst Familie, Freundinnen und Freunde und auch ihren Beruf als M├╝tter- und V├Ąterberaterin sehr. Sie war gerne auf dem Meer unterwegs, aber kehrt auch gerne wieder ins urspr├╝ngliche Leben auf dem Festland zur├╝ck. Ich k├Ânnte durchaus noch l├Ąnger bleiben. Klar, auf das Wiedersehen mit lieben Menschen freue ich mich ebenfalls, aber beruflich habe ich auf dem Meer eine T├Ątigkeit gefunden, die ich liebe. Ich bin gerne Skipper und Ausbildner. Es bereitet mit grosse Freude, wenn T├Ârnteilnehmer auf unserem Boot neue Erfahrungen machen und in ihren Kompetenzen als Seglerinnen und Segler gest├Ąrkt werden. Zus├Ątzlich betreue ich von meinem Laptop aus Dutzende von Kursteilnehmenden in meinem Onlinekurs und leite als digitaler Nomade eine kleine Unternehmung in der Schweiz. Und zwischendurch sitze ich einfach nur da, sehen den Wellen zu und geniesse es, wie die EXTRA MILE ihre Bahn durchs Wasser zieht. Das Leben auf dem Meer ist f├╝r mich enorm erf├╝llend und ich werde es vermissen. Darum – nein, wir haben (noch) keine Korken knallen lassen, als der Kaufvertrag unterschrieben wurde. Wir sind zwar dankbar, froh und erleichtert, aber zur Zeit auch etwas melancholisch unterwegs.